Die 9 Zentren im Human Design: Selbst und Kehlzentrum

Mein Eintrag erscheint diese Woche zwei Tage verspätet, wofür ich mich entschuldigen möchte. Ich durchlebe gerade eine sehr bewegte und herausfordernde Zeit. Meine ältere Tochter ist Anfang Mai 14 Jahre alt geworden und hatte dieses Wochenende ihr Übergangsritual, vom Kind zur Jugendlichen/ jungen Frau. Sie entschied sich aus den bestehenden Angeboten für ein Walkaway, woran auch die Eltern teilweise beteiligt wurden. Beim Walkaway werden die Teilnehmer – Kinder wie Eltern – auf den physischen, emotionalen und in Folge auch verhaltensmäßigen Wandel, den die Kinder durchlaufen und der damit genauso die Eltern betrifft, ausgerichtet. Wir wurden z.B. vor der endgültigen Übergabe unserer Tochter an die Seminarleiter mit einem roten Faden nochmal an einander gebunden, die Mutter an den linken Arm, der Vater an den rechten, und unsere Tochter war aufgefordert auszusprechen, was sie vielleicht noch an Ärger, Enttäuschung, Sehnsucht o.ä. als Kloß/Brocken in sich trägt. In zahlreichen Rederunden, bei denen ein Redestab eingesetzt wurde, um Redner und Zuhörer deutlich sichtbar zu machen, setzten sich die Kinder dann mit den Schätzen und Schatten ihrer Kindheit auseinander und damit, wofür sie diese Nacht allein in der Natur verbringen möchten. Die anderen Teilnehmer waren Zeugen. Es entstand ein großer Zusammenhalt und eine große Vertrautheit, die zumindest meine Tochter, von endlos vielen sozialen Ängsten geplagt, so leicht noch nie erfahren durfte. Den Kindern wurde das Gelände in seinem Verlauf und den Grenzen gezeigt und sie suchten sich im Anschluss einen eigenen Platz für die Nacht, jede und jeder für sich. Es gab noch eine warme Mahlzeit 14 Uhr und dann war fasten bis zum nächsten Sonnenaufgang angesagt. Ab 18 Uhr starteten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer nacheinander, mit Isomatte, Schlafsack, Tarp, Taschenlampe und Schreibzeug ausgerüstet, und liefen allein zu ihrem ausgewählten Platz. Sie sollten möglichst viel wachen und sich mit den großen Fragen des Lebens auseinander setzen: Wo komme ich her, wo gehe ich hin, wer bin ich? Mit Sonnenaufgang – wenn sie nicht früher für sich sorgen und ans Feuer ins Basislager zurückkehren mussten, sollten sie dann als junge Frau oder junger Mann wiederkommen und mit den anderen TeilnehmerINNen und ihren Eltern sowie gewünschten Gästen ihre Geschichte teilen. In jeder Geschichte und der Art und Weise, wie sie erzählt wurde, war ganz viel vom Wesen und dem Entwicklungsweg der jeweiligen Person sichtbar. Die beiden Seminarleiter griffen dies auf und reflektierten es zurück. Die jungen Menschen stellten sich vor allem auch ihren sozialen Ängsten und den Ängsten vor Dunkelheit, Bedrohung und Einsamkeit und alle berichteten, die Ängste, die sie dabei erwartet hatten, seien gar nicht aufgetreten. Es war ein sehr berührendes und bewegendes Ritual, bei dem die beiden Zentren, um die es nachfolgend geht, besonders zum tragen kamen. Wenn wir genau hinhören, können wir mitbekommen, von welchem inneren Platz eine andere Person spricht, wie verbunden sie dabei mit ihren Gefühlen und wie sehr in Übereinstimmung mit ihrem Wesen ist und ob ihre Aussage Energie und Wahrhaftigkeit besitzt.


Das Selbst

Sitz: unterhalb der Kehle auf Brusthöhe im Life Chart, auf der Spitze stehendes gelbes Viereck; anatomisch entspricht es der Leber, in der unser Blut gereinigt wird – Sitz der Seele

Aufgabe: steht für Richtung und Ausrichtung im Leben, für Identität und Selbstliebe – richtet uns darauf aus wer wir sind, wo wir sind und wohin wir geführt werden, Anschluss an unsere Seele; bestimmt, was uns entspricht/passt, setzt Grenzen 

Einnehmbare Qualitäten: verschiedene Energien von Liebe: spirituelle Liebe, Anziehung zu bestimmter körperlicher Form, Liebe zur Menschheit, Liebe zur Lebensreise; Schöpferkraft, Empfänglichkeit für das Leben

Eine gestaute Leber steigert unsere Unverträglichkeit gegenüber Leben und vermindert die Fähigkeit, sich direkt mit dem Leben zu verbinden und dem Lebensfluss anzuvertrauen


Definiertes Selbst im Chart

Deine Devise lautet: „Ich weiß wer ich bin und ich weiß wo es für mich langgeht“. Du hast eine sichere Identität, eine klare innere Führung, einen ausgeprägten Sinn für Deine Ziele und Richtung im Leben. Das gibt Deinem Charakter eine gewisse Sicherheit und Festigkeit. Du bist entschlossen und glaubst, dass Du bist wer Du bist, und daran werde sich nichts ändern. Du strebst nach Deinem „bestmöglichen Selbst“/ Deiner bestmöglichen Verwirklichung.
Solltest Du Dein Selbst nicht direkt fühlen können, achte auf Deine innere Autorität, die ich nach den neun Zentren erklären werde. Diese innere Autorität wird Dich immer auf Deinen eigenen Weg zurückführen. Letztlich kannst Du gar nicht lange von Deinem eigenen Weg abweichen denn Du wirst sehr schnell und deutlich eine innere Angst oder Frustration spüren und es wird sich anfühlen, als schwimmest Du gegen den Strom.
Du hast aber auch die Tendenz, Dich durch verlorene Schafe, die von ihrem Weg abgekommen sind, von Dir selbst ablenken zu lassen. Wenn Du nicht aufpasst wirst Du von anderen heruntergezogen und ausgesaugt. Gleichzeitig kannst Du unverrückbar sein, wenn Du Deinen wahren Weg – eine Beschäftigung oder einen Partner - gefunden hast und Dich ihm widmen möchtest. Dann bist Du unablässig und zutiefst beständig in dem, was Du anstrebst. Ganz nach dem Motto: „Nichts kann mich aufhalten!“


Offenes Selbst im Chart

Deine Devise lautet: „Wo ich bin bestimmt, wer ich gerade bin.“ Du kannst verschiedene Rollen im Leben spielen und solltest Dich nicht allzu sehr für ein stärkeres Identitätsempfinden abmühen. Du kannst für andere Leute alles mögliche sein und spiegelst ihnen, wer sie selbst sind. Mit anderen Worten: Du beziehst Dein Identitätsgefühl aus der Umgebung und von den Menschen um Dich herum. Damit ist Deine Richtung im Leben eher veränderlich, es gibt keinen verlässlichen eingebauten inneren Kompass. Dadurch, dass Du Dich mit jedem identifizieren kannst, entwickelt sich viel Mitgefühl. Du hast eine angeborene Fähigkeit, Beobachtungen zum Wesen und zur gewählten Richtung eines anderen anzustellen. Dadurch kannst Du zum vorausschauenden Führer werden und den Weg für diejenigen berechnen, die zu sehr in sich selbst verstrickt sind, um ihn klar zu sehen. Du bist eine Art Chamäleon. Lerne, mit dem Strom zu schwimmen und stets im Augenblick zu leben! Lasse Dich dabei aber nicht vom konditionierenden Einfluss einer Person mit definiertem Selbst und deren Entschlossenheit, Zielstrebigkeit und klare Ausrichtung überwältigen, ohne auf Deine innere Autorität zu achten.
Beständigkeit findest Du, indem Du Dich an Menschen mit definiertem Selbst orientierst. Diesen Menschen musst Du aber unbedingt vertrauen können. Es müssen Menschen sein, die andere bestärken und die Deine besten Interessen im Sinn haben, sonst rauben sie Dir Deine Energie und verleiten Dich dazu, falschen Entscheidungen zu treffen.


Das Kehlzentrum

Sitz: braunes Quadrat im Hals, der Kehlkopf; anatomisch entspricht es der Schilddrüse und den Nebenschilddrüsen, die unseren Stoffwechseln und unser Gefühl für Wohlbefinden regulieren

Aufgabe: bringt mit seiner Kraft des Ausdrucks und des Manifestierens Dinge in die Welt und setzt sie in Bewegung; jede Idee und innere Stimme sucht hier ihren Ausdruck, will gehört werden, und alle Taten und Träume finden hier ihre Verwirklichung

Die Kehle hat viele verschiedene Ausdrucksmöglichkeiten: Sprache, Schrift, Bild, Kunst, Handlungen. Dabei geht es immer um Lehren, Führen, Erziehen und Unterrichten. Alles, was sich innerhalb Deines Human Designs abspielt, sucht in der Kehle einen Ausdruck in Form von Worten oder Taten. Dieses Zentrum reguliert stark unseren Lebensfluss und damit unser Wohlbefinden: Wenn wir zum Ausdruck bringen, was in uns steckt, nehmen wir unseren Platz im Universum ein und bringen unser Potenzial zum Fließen. Dann fühlen wir uns lebendig.


Definiertes Kehlzentrum im Chart

Hier liegt Deine Ausdruckskraft aber was und wie ausgedrückt wird, hängt von Deinen anderen definierten Zentren, die mit diesem Hauptumschlagplatz verbunden sind, zusammen. Alle Wege führen zur Kehle also suchen alle Energien in uns ihren Ausdruck, ihre Stimme durch dieses Zentrum. Eine Verbindung zum definierten Verstand bedeutet z.B., dass Du Deine Meinung äußern wirst. Oder eine Verbindung zum Emotionszentrum, dass Du diese zum Ausdruck bringst. Bei einer Verbindung zum Herzen äußerst Du Deine von Herzen kommenden Wünsche. Alle Zentren mit ihren spezifischen Eigenschaften streben danach, sich durch die Kehle zu zeigen. Wenn die Verbindung hergestellt ist, kommt der Ausdruck in Form von aktivem Handeln, schöpferischem Tu oder sprachlicher Mitteilung zustande. 
Mit einer definierten Kehle bleibt Deine Art zu kommunizieren immer gleich. Deine Stimme hat einen bestimmten Tonfall und strahlt Selbstsicherheit aus. Die Art und Weise, wie Du Dich ausdrückst, führt deshalb dazu, dass tatsächlich etwas geschieht und ist Katalysator für Deine Ziele. Außerdem kannst Du bewirken, dass großartige Geschichten erzählt, tiefe Einsichten offenbart, vernünftige Inhalte gelehrt, fundierte Meinungen geäußert und Führungsstärke gezeigt wird – entweder Deine eigenen oder die anderer Menschen mit offener Kehle, die durch Dich ihre Sprache finden. Du bist Katalysator für den sprachlichen Ausdruck anderer, deshalb ist es bedeutsam, dass Du mit ihnen redest und nicht auf sie einredest. Dein Kehlkopfventil zieht Menschen mit offener Kehle an, in denen sich die Energie angestaut hat. Deshalb ist es wichtig, Deine Grenzen zu setzen und andere darauf hinzuweisen, was sie tun, sollten sie ihren Ballast einfach nur bei Dir abladen wollen.


Offenes Kehlzentrum im Chart

„Ich finde einfach nicht die richtigen Worte“ dürfte eine Erfahrung sein, die Dir vertraut ist und zu viel Frustration führt. Du musst darum ringen, Dich wirkungsvoll und schlüssig auszudrücken. Dich können sogar Redehemmungen und Zweifel an Deiner eigenen Ausdrucksfähigkeit plagen. Sobald Du in Gesellschaft einer Person mit definierter Kehle bist, kannst Du ihre Werkzeuge für Dich nutzen und es kann ein regelrechter Redeschwall aus Dir hervorbrechen! Aus diesem Grund kann eine Person mit offener Kehle als regelrechte „Quasselstrippe“ wahrgenommen werden. Du kannst eine Unterhaltung dominieren, indem Du sie unterbrechen und immer wieder etwas einwerfen musst, da sich so viel Druck hinter Deiner natürlichen Kommunikationsmauer aufstaut hat.
Deine Ausdrucksweise ist deshalb wechselhaft. Es kann sein dass Dich zwei Personen dasselbe fragen aber zwei verschiedene Antworten erhalten. Es kommt immer auf die Menschen um Dich herum an, da Du Dich ja ihrer Werkzeuge bedienen musst. Lass Dich nicht auf Gespräche ein, denen der rote Faden fehlt, das kann Dich vom hundertsten ins tausendste führen und sehr ermüdend und verwirrend sein. Du bist von Natur aus jemand, für den Schweigen Gold ist. Du musst lernen, den richtigen Zeitpunkt abzuwarten, um etwas wirkungsvoll auszudrücken. Weise Gelassenheit bedeutet hier, dass Du mit großer Klarheit und Kunstfertigkeit sprechen kannst, zu der andere eventuell nicht fähig sind, wenn Du geduldig bist, die Stimmen Deiner Umgebung in Dich aufzunehmen, in Deine eigenen Einsichten umzuwandeln, ihr Wesen zu erfassen und dann erst zu sprechen! Bill Clinton, der ja ein brillanter Redner ist, hat z.B. ein offenes Kehlzentrum. Er ist ein Meister davon, sich von der Energie seines Publikums tragen zu lassen. Grundsätzlich hängt die Leichtigkeit, mit der Du Dich ausdrücken kannst, von Deinem Gegenüber ab, genauso wie Deine Fähigkeit, Vorhaben umzusetzen und Dich schöpferisch zu betätigen.



Im nächsten Blog vervollständige ich die Betrachtung der neun Zentren, ihrer Funktionen und dem Einfluss von offen und definiert, indem ich die beiden letzten noch fehlenden Zentren Verstand und Krone erkläre.

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